Wurffbain schimpft auf die „Mohren“

Es vergehen Tage und Wochen. Wurffbain ist auf den Nebeninseln Neira und Rosenzain und kehrt nach Banda zurück, und was die nahezu unbeschreibliche Fruchtbarkeit betrifft, habe der „liebe Gott“ diese drei Inseln mit Muskatbäumen so reich gesegnet, dass diese mit ihren Früchten die ganze Welt versorgen könnten, da doch nur hier und nirgends anders auf der damals (und heute) bekannten Welt, besagte Früchte (also Muskatnuss und Muskatnussblüte) in einem Umkreis von 40 Meilen um Banda, an schönen, wohlgezweigten, bis zu sechs Meter hohen Bäumen, die das ganze Jahr über Früchte tragen und bei Adel und Bürgertum der europäischen Städte als Gewürz wie Medizin hoch begehrt sind. Die Besitzer der Plantagen auf Banda werden verpflichtet, dieselben auf eigene Kosten zu unterhalten und – bei Zuwiderhandlung unter Androhung harter Körperzüchtigung – die Früchte an niemand anderen zu verkaufen als an die Companie, und zwar nicht höher als fünfeinhalb Pfund Muskatblumen für 1 Reichstaler. Dieser Wert war gesetzt und unverhandelbar. Die Einwohner auf den südsüdwest von Banda gelegenen Inseln Key, Aru und Damar ließen sich überreden, eine große Menge Muskatnussbäume auszureißen, auf dass es nur die Niederländer und keine anderen Völker der Erde sonst seien, die dieses edle Gewächs in den Händen haben, auf dass alle Welt die Muskatnuss von Banda und die Gewürznelke von Amboina allein aus der Hand der Niederländer erhalten dürfe. Die Companie eroberte sich das Monopol auf beide Früchte, auch wenn ihre Soldaten große Teile ihres Solds für den Erwerb von Nahrungsmitteln aufwenden müssen, da es manchmal im ganzen Monat nicht mehr als 40 Pfund Reis und viereinhalb Pfund gesalztes Fleisch und Speck, darüberhinaus Brot, Holländische Butter, süße Milch, holländischen Käse und spanischen Wein für insgesamt etwa 280 Pfennig gibt, die ihnen übrigens vom Sold wieder abgezogen werden.

Wurffbain lässt sich über die Einwohner von Banda nicht sonderlich freundlich aus. Es seien schlechte, einfältige und von Natur aus großgewachsene Heiden, wie er, der Christ, sie nennt (die allerdings der mohammendanischen Sekte, also dem Islam zugetan seien). Was ihr äußeres Ansehen betrifft, scheinen sie recht wilde Leute zu sein, gänzlich nackt, ohne dass die Scham mit einem Blatt bedeckt wäre. Zur Hand hätten sie stets und schnell einen Bogen und verschiedenartige Pfeile sowie Schild und Schwert. Ehedem in Furcht vor den Musketenschüssen der Niederländer, da sie sich plötzlich aus Angst in das Meer stürzten, seien sie nun etwas mutiger und bildeten sich ein, schon allein deswegen gute Freunde zu sein, weil sie, wie die Niederländer, Schweinefleisch essen. In großen Gruppen von 50 oder 60 Personen laufen sie durch die Gassen, singen, springen und freuen sich recht öffentlich, da widerfährt ihnen allen eine wundersame Begebenheit, die Wurffbain auch Jahrzehnte später zu glauben schwer fällt, denn auf der Insel Gunung Api, einem ewig rauchenden, nicht sonderlich steil aus dem Meer aufragenden Vulkanberg, soll eine nicht giftige, aber 24 Schuh lange Schlange (was heute auf eine Länge von sieben Metern hinausläuft) eine im Garten ihres Herrn arbeitende Sklavin nicht nur belästigt, sondern auf langsamste Art und Weise samt ihren Kleidern erst eingesogen und dann verschluckt haben. Weil die Schlange infolge dieses üppigen Mahls keinesfalls fortkriechen, ja nicht einmal sich mehr rühren konnte, wenn wir Wurffbain richtig verstehen, kam, nach einem Hilferuf einer Mitsklavin, der Hausherr mit allerlei Niederländern drei Stunden später und verletzte in der Absicht, das Leben der geschluckten Frau zu retten, den Kopf der Schlange mit einer Musketenkugel so schwer, dass das Tier starb, während die von ihm verspeiste Sklavin – man glaube es oder nicht – unzerbissen, allenfalls hier und da mit zerquetschten Gliedern, letzten Endes aber tot aus dem Schlangenkörper gezogen und im Namen Gottes begraben wurde.

Verfasst von: Christian Schüle