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Adalbert Stifter. Stahlstich von Karl Mahlknecht, gemalt von Daffinger

Schwarzenberg

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 Stifter-Museumsstraße – 6. Etappe: Schwarzenberg

Bis Schwarzenberg am Böhmerwald reichte der Bezirk des Schulinspektors Adalbert Stifter. Der Ort leitet seinen Namen von der nahe gelegenen „Felsenburg mit den Teufelsschüsseln“ her – offiziell ist das der Bergrücken des Steingupfs. An Schüsseln erinnernde und mit Wasser gefüllte Mulden dienten der Sage nach Hexen und Teufeln bei ihren magischen Handlungen. Wissenschaftlich gesehen entstanden die „Schüsseln“ wohl simpel durch Gesteinsverwitterung.

Wie oft Adalbert Stifter in dem heute rund sechshundert Einwohner zählenden Schwarzenberg weilte, ist nicht ganz klar. Das Haus des früheren Bäckers und Fuhrmanns Weixlbaumer, auch Weichselbaumer geschrieben, trägt Paul Praxl zufolge seit 1993 eine Gedenktafel, laut welcher der Dichter zwischen 1855 und 1866 in Weixlbaumers Haus „gern Einkehr“ gehalten und genächtigt habe.

Eine prominente Stellung kommt dem Ort in Stifters Erzählung „Aus dem bairischen Walde“ zu. Der Dichter erzählt aus seinem Leben: Er wurde im Herbst 1866 von einem Schneesturm – und vielleicht noch mehr von einem inneren Sturm – tagelang an der Heimreise nach Linz gehindert. Eine von Schwarzenberg georderte Kutsche kommt nicht bis ins nahe Lackenhäuser durch, der Weg, den er auf eigene Kosten freischaufeln lässt, schneit alsbald wieder zu. Schließlich macht sich der Dichter zu Fuß auf den Weg, da er hört, dass von Schwarzenberg aus eine Weiterfahrt möglich wäre. Auch die Briefpost nach Linz soll von dort noch gehen. Stifter wagt sich nicht allein auf den Weg. Wie seine Begleiter benutzt er Schneeschuhe, in der Erzählung als „Schneereifen“ bezeichnet. Er beschreibt den Fußmarsch wie folgt: „Die Männer stampften Fuß neben Fuß setzend vor mir einen Pfad. Es ging so langsam, daß ich kaum in jeder Sekunde einen Schritt machen konnte; aber der Pfad trug mich … Wir überwanden Schneehügel, Schneewülste, Schneefelder. Um und über uns war dichtes Grau, unter uns das Weiß.“

Da noch keine Ruten gesteckt sind, um die Wege unter Schnee zu markieren, würde Stifter ohne die ortskundigen Männer die Richtung verlieren. Der Wind verweht die Spuren, welche die Gruppe im Schnee hinterlässt, schnell wieder. Schließlich erreichen sie das auf rund 760 Metern Seehöhe gelegene Schwarzenberg:

Endlich erkannte ich in der dichten Luft die Umrisse des Hauses, und wir kamen bald zu demselben. Dort auf der Waldkirchnerstraße wurde es besser. Auch das war besser, daß wir gegen Osten gingen, und den Wind im Rücken hatten. Im Zollhause konnten die Schneereifen abgelegt werden, und wir vermochten nun auf der österreichischen Straße in gewöhnlichem Schritte fort zu gehen. Und so kamen wir nach einer Wanderung von mehreren Stunden in das Gasthaus von Schwarzenberg.

– Österreich! Auch wenn es an keiner Stelle expliziter wird als hier, entsteht beim Lesen der Erzählung Aus dem bairischen Walde doch der Eindruck, dass Wegenutzung und Postverkehr in der Doppelmonarchie konsequenter ermöglicht werden als in dem deutschen Nachbarland. Ein Hauch von Heimweh weht knapp über der Schneedecke.

Im alten Volksschulhaus des Mühlviertler Ortes ist seit 2005 ein Heimatmuseum untergebracht. In diesem wiederum ist das Obergeschoss dem böhmischen Dichter gewidmet. Der Akzent liegt dabei auf der pädagogischen Arbeit des durchaus für seine Sache engagierten Schulinspektors Stifter und seiner „visionären Schulbauoffensive im Lande ob der Enns“.

Eine weitere Besonderheit ist das „weltweit einzige Stifter-Hologramm“, der „Ritt des Witiko“. Neben Hörbeispielen aus den Werken des Autors ist der Entwurf eines Stifter-Denkmals für Linz zu sehen. Er stammt von Othmar Schimkowitz und ist datiert auf das Jahr 1900. Informationen zur Rezeptionsgeschichte, etwa zu Stifter-Denkmälern und -Gedenkstätten, runden die Ausstellung ab. Da das Museum nicht durchgehend geöffnet ist (Stand 2024), lohnt sich vor dem Besuch ein Anruf.

Das alte Schulhaus liegt sehr schön neben der Kirche auf einer kleinen Anhöhe. Der Blick nach Norden geht auf den Plöckenstein, Plechý, mit 1378 Metern die höchste Erhebung des südlichen Böhmerwaldes, und heute wieder Grenzberg zwischen Österreich und Tschechien. Der Rücken des Plöckenstein wirkt etwas kahl, seit im Jahr 2006 Sturm Kyrill und in der Folge der Borkenkäfer den dortigen Hochwald vernichtet haben. Oben auf diesem Berg steht eines der zahlreichen Denkmäler, die für Adalbert Stifter errichtet wurden.


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