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Bernd Späths Roman „Drei grundanständige Damen“ ab jetzt im Buchhandel

Von der Kritik mit viel Lob überhäuft wurde Bernd Späths Roman Trümmerkind, der im Februar 2002 im Lübbe-Verlag erschienen war. Kritiker verglichen Werk und Autor mit Bert Brecht, Günter Grass, Oskar Maria Graf, Hans Fallada, Siggi Sommer und Franz-Xaver Kroetz. Die durchaus autobiographische Geschichte des kleinen Wolfi Achinger, der im Fürstenfeldbruck der Nachkriegszeit aufwächst, fand vielseitigen Zuspruch. Kriegstraumatisierung, Hitler-Sehnsucht, Antisemitismus, Nicht-Wissen-Wollen und schiere Opferverhöhnung, das gab es nicht nur – aber eben auch – in Bruck. „Bis aus Magdeburg, Aurich oder Köln haben sich damals Leute bei mir gemeldet, um mir zu sagen, dass es bei ihnen genau so war“, berichtet der Autor. In Bruck selber war man damals nicht so glücklich über das Werk: Eine ganze Serie übler Hetzartikel musste von Bernd Späths Anwälten gestoppt werden. Der Autor, der „von [s]einer Zeit in Bonn her einen deutlich anderen Umgang gewohnt“ war, fühlte sich gesellschaftlich geschnitten. Aber nicht nur das: Er erhielt anonyme Brief und Anrufe, andere erhielten Briefe mit seiner gefälschten Unterschrift. Anonyme Täter versuchten, seinen Gartenzaun anzuzünden, rissen seine Firmenschilder ab und stellten ihm ausgebrannte Grablichter auf den Gartenzaunpfosten. Als schließlich auch noch eine Nazi-Organisation ihn ins Visier nahm und ihm mitteilte, er werde demnächst „vom Baume hangen“, trug er zwei Jahre lang mit behördlicher Erlaubnis eine Schusswaffe und schlief niemals ohne Waffe auf dem Nachttisch. Dann hatte er genug und zog um nach München.

Aber das Schreiben hat er nicht aufgehört. Und so entstand ein weiterer Roman aus der Fürstenfeldbrucker Nachkriegszeit, in dem Späth seine bayerische Heimatstadt als stellvertretend für die Atmosphäre im Nachkriegsdeutschland behandelt. Drei grundanständige Damen heißt das neue Werk, das Späth – genau wie damals Trümmerkind – aus der Sicht des kleinen Wolfi Achinger erzählt. (IL-Verlag, Basel): Drei Fürstenfeldbrucker Geschäftsfrauen, die sich mit ihren dotscherten Männern langweilen, finden eine ebenso lukrative wie entspannende Nebentätigkeit in München, bei der sie viele Vertreter der besseren Kreise ihrer Heimatstadt fürsorglich betreuen. Nicht zuletzt den Onkel des Erzählers, den ehemaligen Unterabteilungsleiter der Reichsmusikkammer Gotthold Wesemann. Denn dieser flüchtet vor seiner hochgradig hysterischen Gattin Franzi und übernimmt für die drei Lebedamen auch gleich die Buchhaltung. Als er jedoch auf dem Rückweg von ihnen tödlich verunglückt, kommt Franzi ihm nachträglich auf die Schliche und sprengt seine Beerdigung.

So entsteht ein Sittenbild über die Bigotterie und die Verlogenheit der deutschen Nachkriegszeit in den 50er- und 60er-Jahren. Es wimmelt von missglückten Paarungsversuchen, schiefgelaufenen Begräbnissen, einer total gescheiterten Fronleichnamsprozession und zahllosen anderen Tragödien. Ein hochangesehener Bäckermeister will die Überführungskosten für seine Schwiegermutter sparen, also zersägt er sie und transportiert sie im Beiwagen. Und ein pensionierter Lastwagenfahrer, der sich ein Buch über den Autobauer TATRA besorgen will, gerät versehentlich an ein Tantra-Lehrbuch und wird ruckzuck zum öffentlichen Ärgernis. Späth beobachtet seine Mitmenschen ebenso genau wie gnadenlos. Aber er vernichtet sie nie ganz.

Die Theaterchefs Heinz Koch und Claudia Riese konnten den Autor, der auch mit seinen Theaterstücken Erfolge feiert, jetzt für eine Lesung im Theater Neu-Ulm gewinnen. Am Sonntag, den 24. März 2013 um 11.30 Uhr liest Bernd Späth zur Matinee. Eine weitere Lesung im Bayerischen Wald ist ebenfalls geplant. Und alles dürfte sehr, sehr schwarz werden.

Derzeit läuft gerade Bernd Späths rabenschwarze Komödie Die Hinrichtung am Barocktheater Lambach/Oberösterreich. Am 8. Juni hat Die Hinrichtung dann Premiere am Münchener Blutenburg-Theater. Und im Herbst 2013 erscheint der dritte Roman aus Bernd Späths Fürstenfeldbruck-Trilogie mit dem Titel Über das Glück der Depperten, ebenfalls beim IL-Verlag in Basel.

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